Nach Regen kommt Sonnenschein …

31 Juli | Tag 61

Nach mittlerweile genau zwei Monaten unterwegs, erlebte ich einen Tag, der nicht unbedingt als gut bezeichnet werden kann, wohl aber zu einem Abenteuer wie diesem dazugehören muss. Ich wanderte ca. 25km von der DNT-Hütte Ferslia zur Bellingstua, einem Wanderabschnitt, der durch matschigen Waldboden und sumpfige Wiesen geprägt war. Nach kurzer Zeit spürte ich die Nässe in meinem rechten Schuh und der erste von gefühlten 15 Regenschauern setzte ein. Der Rucksack, befüllt mit einem schweren Essenssack, ließ mich an diesem Tag schon zu Beginn derWanderetappe das Tagesziel herbeisehnen. Auf der Wanderkarte ließen sich kaum Fortschritte erkennen und Pausen waren durch die durchnässte Ausrüstung und den immer wieder einsetzenden Regen selten möglich. Also lief ich und lief ich mit etwas schlechter Stimmung den Berg hinauf und auf der anderen Seite wieder herab. Als ich unten ankam, lagen noch 5 km voller Fußschmerzen bis zur Hütte vor mir. Glücklicherweise war die Bellingstua mit einem großen Ofen ausgestattet, der schnell eine wohlige Wärme ausstrahlte.

 

01 August | Tag 62

Die Strapazen und die Missstimmung des Vortages wogen am nächsten Morgen noch schwer und ließen mich kurz darüber nachdenken einen sonnigen Ruhetag zur physischen und psychischen Erholung einzulegen. Jedoch fand ich keine Ruhe und brach gegen 12.00 Uhr  zum Veresvatnet (See) auf. Der markierte Weg verlief parallel etwa zwei Kilometer von der schwedischen Grenze entfernt. Irgendwie bemerkte ich den Einfluss Schwedens auf die Landschaft der norwegischen Grenzseite. Diese zeichnet sich durch flache Hügel, viele Seen und weite, aber nicht sehr dichte Wälder aus. Stets sichtbar die hohen, teilweise schneebedeckten Berge. Die Sonne schien ganztägig und es herrschte nahezu Windstille. Insgesamt war diese Etappe Balsam für die Seele und den Körper.

Am Ende des Tages baute ich mein Zelt direkt am See auf, entzündete ein Lagerfeuer und genoss bei einem heißen Tee die untergehende Sonne.

Ein weiterer Grund, warum ich es liebe auf diese Art und Weise zu reisen:

Man weiß nie, was einem am nächsten Tag erwartet.

 

05 August | Tag 66

Gaundalen, Holden und Gjevsjøen sind Höfe, die über keine Anbindung an das Straßennetz verfügen, sich autark mit Strom und Wasser versorgen und dessen Bewohner zum Einkauf von Lebensmitteln ein Boot oder sogar Flugzeug benötigen. In den letzten drei Tagen folgte  ich einer alten Telefonleitung zu diesen Orten und verbrachte jeweils eine Nacht dort. Würden mich die endlosen Weiten des hohen Nordens nicht rufen, so wäre ich wahrscheinlich an einem dieser Orte geblieben. Es war nicht nur die Idylle dieser einsam in der Natur gelegenen Orte, sondern auch das Leben der Bewohner und deren Hilfsbereitschaft gegenüber ihren Gästen.

 

08 August | Tag 69

Nach den faszinierenden Tagen in den endlosen Weiten des Blåfjella-Skjækerfjella Nationalparks lagen nun  wieder mehrere Kilometer entlang der Straße in Richtung Røyrvik, wo das nächste Versorgungspaket auf mich wartete, vor mir.

In den Bergen abseits der Straße ist es die Natur, die mich immer weiter nach Norden laufen lässt. Nach den letzten beiden Tagen entlang der Straße hatte ich den Eindruck, dass jemand dafür sorgen würde unglaubliche Begegnungen am Straßenrand erfahren zu dürfen, um nicht den Spaß an der Reise durch das ansonsten „langweilige“ Folgen der Straße zu verlieren.

Gestern pausierte ich zehn Minuten an einer kleinen Kreuzung und beobachtete wie ein Auto an mir vorbeifuhr, bremste, umkehrte und zu mir zurückfuhr. Die Fensterscheibe der Fahrerseite öffnete sich und eine junge Dame sprach mich direkt  auf Deutsch an: „Wahnsinn, ich finde es total cool was du machst. Ich habe davon gelesen und bin begeistert. Ich bin gerade auf den Weg von der Arbeit nach Hause und da sehe ich dich hier stehen. Du wirst mich jetzt sicherlich nicht erkennen, aber wir waren beide auf der gleichen Schule in Berlin.“ Ich war für einen kurzen Moment  sprachlos und wusste nicht wie ich darauf reagieren sollte. Wir unterhielten uns über meine Wanderung und das Leben, dass sie seit einem Jahr zusammen mit ihrem Freund in Norwegen führt. Ich muss wohl eindeutig darauf hingewiesen  haben, dass ich es kaum erwarten konnte mir im nächsten Ort (ca. 20km entfernt) massenweise Schokolade zu kaufen, da ich seit mehr als einer Woche nicht mehr in den Genuss von etwas Süßem gekommen war. Wir redeten  noch ein wenig und ich setzte meine Reise fort. Eine Stunde später hielt ein Auto neben mir an und eine junger Mann streckte mir eine Tafel Schokolade entgegen. In diesem Moment war ich der glücklichste Mensch auf der Erde. Einerseits wegen der Schokolade, andererseits aufgrund dieser unglaublichen Begegnung und der freundlichen Geste.

 

Die neusten Bilder findest du hier.

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