Fahrradtour auf dem Elbe- und Havel-Radweg

„Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.“ Herbert Grönemeyer

Bei jedem Streifzug durch das Havelland offenbart sich mir der Charme einer Landschaft und deren Bewohner, der das aufkommende Gefühl von Heimat in mir bewirkt. Ich bin in Rathenow im Westhavelland geboren, in Berlin aufgewachsen und seit einigen Jahren in Magdeburg zu Hause. Die beiden Flüsse Elbe und Havel verbinden diese drei Orte auf natürliche Weise. Was lag also Näher als den Flussläufen zu folgen und mir die Zeit zu nehmen meine Heimat zu erkunden?

In Magdeburg starteten meine Frau und ich mit insgesamt sechs Fahrradtaschen beladen den Elberadweg in Richtung Norden. Wir passierten das oberhalb an der Elbe gelegene Tangermünde, folgten dem Radweg Elbabwärts bis zur Havelmündung in Havelberg und setzten unsere Reise entlang der Havel fort. Im Herzen des Westhavellandes fuhren wir auf dem Havel-Radweg durch meine Geburtsstadt Rathenow. Auf der weiteren Fahrt nach Berlin passierten wir neben vielen kleinen Dörfern die Städte Brandenburg und Potsdam. Mit der Überquerung der Glienicker Brücke erreichten wir unser Ziel Potsdam, die pulsierende Hauptstadt im Zentrum des ländlichen Bundeslandes Brandenburgs.


Tag 1 | 57 km | Elberadweg

Magdeburg – Bittkau

Los ging´s!

Zack, eben noch die Haustür abgeschlossen und dann direkt rauf auf den Sattel. Die Strecke des ersten Tages bin ich schon einige Male gefahren, jedoch nur selten im gemütlichen Reisetempo. Von daher hatten wir viel Zeit die landschaftlichen Schönheiten der Elbewiesen zu entdecken. Kurz hinter der Stadtgrenze Magdeburgs öffnete sich neben dem Elbe-Radweg ein strahlendes Blumenmeer mit unzähligen leuchtenden Mohnblumen in den Weiten der noch grünen Weizenfelder. Der leicht wehende Wind formte das noch junge Weizenfeld in eine wundervoll anzuschauende, sich weich bewegende Formation. Wir ließen uns auf unseren Rädern ebenfalls vom Winde tragen und fuhren gemächlich dem Wasserstraßenkreuz bei Hohenwarte entgegen. Der Anblick eines Frachtschiffes, das in einer blauen Trogbrücke in einer Höhe von fast 30 Metern über den Hauptfluss der Elbe fährt, gehört zu den seltenen, und ist sehr beeindruckend.

Für mich ist es jedoch noch beeindruckender wie leicht ein Gespräch zwischen fremden Radfahren zustande kommt, wenn man vier Fahrradtaschen dabei hat und man den Eindruck erweckt man radelt um die ganze Welt. Ohne den Namen oder irgendwas von den anderen beiden Radfahrer zu kennen, plauderten diese freundlich drauf los. Zwei, drei Kilometer fuhren wir gemeinsam den Elbe-Havel Kanal entlang. Nachdem die beiden Mitfahrer abbogen, suchten wir die uns bekannte beste Eisdiele in der Umgebung mit dem Gewissen auf, dass das angekündigte Gewitter erfahrungsgemäß erst später eintritt als vorhergesagt.

Also weiter dem Elberadweg folgend nach Rogätz. Dort wechselten wir mir der Fähre von dem östlichen auf das westliche Elbufer und setzten die Fahrt in Richtung des ersten Etappenziels fort. Immer in Sichtweite der Elbe fuhren wir durch die am Steilufer des Flusses liegenden Dörfer Bertingen, Kehnert, Sandfurth und Ringfurth. Der Blick auf die weiten Elbewiesen ist von den Anhöhen dieser Orte besonders schön.

Kurz hinter Bittkau wies uns ein großes Schild dem Weg zum „Family-Camp-Kellerwiehl“. Mit 57km in den Beinen freuten wir uns über einen idyllisch gelegenen Zeltplatz, der am Sonntagnachmittag wie leer gefegt war. Auf einem riesigen Areal rund um den Fischweiher in der Mitte hatten wir die freie Auswahl unser Zelt zu platzieren. Wir waren mit einer kleinen Familie im Camper und einigen Dauercampern die einzigen Gäste auf dem Platz. In dem Zeltplatz angehörigen Restaurant gab es zum Abend das verdiente Schnitzel mit einem kühlen Bier dazu.


Tag 2 | 71 km | Elberadweg

Bittkau – Havelberg

Wir verliessen den direkt am Radweg liegenden Zeltplatz und folgten der Elbe in nördlicher Richtung nach Tangermünde. Die Hansestadt Tangermünde liegt mit ihrer besonders gut erhaltenen Altstadt hoch über der Elbe. Neben den vielen kleinen Restaurants zeichnet sich das Schlosshotel durch den besonderen Ausblick auf die Elblandschaft aus. Ein wahrhaft schöner Ort um sich mit einem kühlen Getränk zu erfrischen.

Mit einer weiteren Portion Sonnencreme auf den Armen fuhren wir weiter an Arneburg vorbei. Dieses kleine Örtchen lädt mit einigen Sitzgelegenheiten im überschaubaren Zentrum zum pausieren ein. Die nächste Pause lies nicht lange auf sich warten. Eine überdachte Sitzmöglickeit mit großen Tisch bot uns besten Schutz vor einem kleinen Regenschauer.

Immer weiter nördlich durch die Altmark fuhren wir durch die wunderschönen Dorfkulissen von Rosenhof und Büttnershof. Dabei entdeckten wir das Gasthaus Büttnershof, das mit seinem äußeren Erscheinungsbild sehr einladenden erschien. Doch die dunkelblauen Wolken und das drohende Gewitter veranlassten uns weiter in Richtung unseres zweiten Etappenziels zu fahren. Mit der Fähre bei Räbel setzten wir über die Havel und erreichten Havelberg, eine der gastgebenden Städte der Bundesgartenschau 2015.

Auf der Spülinsel mitten im Stadtzentrum stellten wir unser Zelt auf dem dort ansässigen Zeltplatz auf und ließen uns im Hotelrestaurant am Hafen verköstigen.


Tag 3 | 55 km | Havel-Radweg

Havelberg – Semlin

Nach einem kleinen aber feinen Frühstück am Zelt folgten wir dem Havel-Radweg durch die Dörfer Jederitz und Kuhlhausen. Letzteres zeichnet sich durch idyllisch gelegene uralte Bauernhäuser aus. Das Zentrum des Dorfes bildet der Dorfweiher gesäumt von prächtigen Trauerweiden. Kurz hinter Kuhlhausen radelten wir entgegen der Markierung des Havel-Radweges über die Landesgrenze nach Brandenburg zum Künstlerdorf Strodehne. Dieses kleine Dorf direkt an der Havel freut sich größter Beliebtheit der Berliner und Hamburger Kunstszene. Wir allerdings waren weniger an der Dorfkunst interessiert als an der Aussicht auf frischen Havelfisch bei Fischer Schröder am Gülper See. Beachtet allerdings die Ruhetage von Fischer Schröder am Montag und Dienstag.

Weiter abseits vom Havel-Radweg fuhren wir durch den Naturpark Westhavelland nach Rhinow. Das Ländchen Rhinow mit seinem Ortsteil Stölln ist bekannt für die ersten Flugversuche des Flugpioniers Otto Lilienthal. Nach bereits einigen Kilometern in den Beinen war für uns die Landbäckerei im Ortskern von Rhinow interessanter als das Lilienthal-Museum in Stölln. Nach einem kurzen Nickerchen im Schatten der Bäume auf dem Dorfplatz ging die Fahrt auf dem Radweg entlang der B102 nach Hohennauen weiter. Hier besteht die Möglichkeit das Zelt auf dem Zeltplatz am Hohennauner See aufzustellen oder im fünf Kilometer entfernten Feriendorf Semlin ein Zimmer in einer der zahlreichen Pensionen zu buchen.


Tag 4 | 45 km | Havel-Radweg

Semlin – Briest

Nach einer erholsamen Nacht im Zelt machten wir uns auf dem Weg zu unserem nächsten Etappenziel nach Briest. Dort haben wir im Vorfeld unserer Tour eine Unterkunft der besonderen Art gebucht. Dazu später mehr, denn zu Beginn der Etappe radelten wir durch meine Geburtsstadt  Rathenow.  In Rathenow, der Stadt der Optik und ebenfalls Gastgeber der Bundesgartenschau 2015, kehrten wir zurück auf den beschilderten Havel-Radweg. In Rathenow lohnt sich ein Abstecher in den Optikpark und ein Spaziergang über den Weinberg.

Unter einsetzendem Platzregen folgten wir dem Havel-Radweg durch die Ortschaften Premnitz, Milow, Jerchel zur Havelfähre Pritzerbe. Mit knurrenden Magen ließen wir uns ein großes Stück selbst gemachten Kuchen in der Backstube Schugardt direkt hinter der Fähre schmecken. Die letzten 7km für diesen Tag durch die Gemeinde Havelsee bis zum Ortsteil Briest absolvierten wir in freudiger Erwartung auf unsere Unterkunft, die im Zentrum des Ortes direkt am Wasser liegend, einen Platz von himmlischer Ruhe versprach. Über airbnb bin ich auf die entweihte Dorfkirche, die mit Juliane eine charmante Eigentümerin hat, aufmerksam geworden. In der Kirche gab es wirklich viel zu entdecken, so verschwand ich bis in die oberste Ecke des Kirchturms. Auch außerhalb der Kirche hat dieser Platz viel zu bieten. Keine 50 Meter von der Kirchentür entfernt, treffen sich auf der Havel regelmäßig eine Vielzahl von Schwänen, dessen treiben bei idyllischer Abendsonne eine wirklich wohlfühlende Atmosphäre schafft.


Tag 5 | 81 km | Havel-Radweg

Briest – Werder

Nach einer wirklich ungewöhnlichen Übernachtung in Briest stand mit ca. 80km die längste Tagesetappe auf dem Plan. Jedoch genoßen wir die Zeit bei einem ausgiebigen Frühstück in der Kirche und kamen erst kurz vor Mittag los. Gestärkt vom Frühstück radelten wir um die Havelseen (Plauer See, Möserscher See und Breitling See) herum. Im Stadtgebiet Brandenburgs, das wir bei einsetzendem Regen erreichten, entschieden wir uns für eine kleine Abkürzung mit der Bahn zu unserem Etappenziel dem Campingplatz „Blütencamping Riegelspitze“ in Werder an der Havel. Wem die 80km etwas zu lang sind, kann wunderbar die Bahnverbindung zwischen dem Hbf Brandenburg und dem Bahnhof Werder nutzen. Im Werder auf dem Campingplatz bezogen wir unser im Vorfeld gebuchtes Campingfass, welches idyllisch in der natürlichen Umgebung des Platzes eingebunden ist. Mit einer traditionellen brandenburgischen Gaststätte (Partygirlande an der Decke und aus den Boxen schallt „Über sieben Brücken …“ von Karat) ist mit leckerem Havelzander für das leibliche Wohl gesorgt.

Am nächsten Morgen bei aufsteigender Sonne nutzten wir die Möglichkeit an einer der beiden Badestellen im spiegelglatten Glindower See eine Runde zu schwimmen. Es war wirklich traumhaft.


Tag 6 | 40 km | Havel-Radweg

Werder – Berlin (Spandau)

Erfrischt vom morgendlichen Bad im See liegen die letzten etwas 40 km von Werder, über Potsdam, Wannsee und Kladow nach Berlin Spandau vor uns. Immer entlang der Havelseen nähern wir uns dem Stadtgebiet von Potsdam. Vorbei an den prachtvollen Bauten der preußischen Könige und dem Zentrum der brandenburgischen Landeshauptstadt erreichen wir über die Glinicker Brücke unser Ziel Berlin. Wer denkt, dass ab jetzt Asphalt und Betonbauten die Umgebung beherrschen, sollte diesen Abschnitt unbedingt abfahren. Mit dem Volkspark Klein-Glienicke und dem Düppeller Forst erwartete uns viel Grün mit Blick auf die Havel. In Wannsee angekommen durften wir uns und unsere Räder für ca. 45 min in den Schatten legen. Die Personenfähre über den Wannsee fuhr gerade vor unseren Augen ab. Der Havel-Radweg führt auf der anderen Seite des Wannsees in Kladow in Richtung Berlin Spandau weiter. Genau hier lag das Ziel dieser wunderschönen Fahrradreise entlang der Elbe und Havel durch meine Heimat das Havelland. Der Bahnhof Berlin Spandau bietet sich für die An- bzw. Abreise zum Havel-Radweg perfekt an.

Bei Fragen zu der Tour oder Ergänzungen schreib ein Kommentar oder kontaktiere mich direkt.


Karte

Nützliche Links:

www.havelradweg.de | Havel-Radweg

www.elberadweg.de | Elbe-Radweg


www.elbe-info.de | Elbefähren Rogätz und Räbel

www.kellerwiehl.de |  Family-Camp-Kellerwiehl Bittkau

www.campinginsel-havelberg.de | Campingplatz – Havelberg

www.hotel-havelberg.de | Hotel „Am Hafen“ – Havelberg

www.fischerei-schroeder.eu | Fischer Schröder – Strodehne

www.westhavelland-naturpark.de | Naturpark Westhavelland

www.friedelcamp.de | Campingplatz – Hohennauen

www.guthans-landhaus.de | Guthan’s Landaus und Gasthof Semlin

www.optikpark-rathenow.de | Optikpark Rathenow

Übernachtung in der Dorfkirche | Havelsee – OT Briest

www.campingplatz-riegelspitze.de | Campingplatz Werder

 

 

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