After a while …

30.08 | Tag 91

Tag eins nach einer fünftägigen Pause, Tag eins nach etwas Zivilisation und bester Gesellschaft, Tag eins des Zweifelns:

Was kann ich noch erleben, was ich auf dieser Wanderung nicht schon gesehen oder gefühlt habe? Warum sollte ich weitere 900 km weiter gen Norden wandern? Nur um das Nordkap zu erreichen? Ich fühle mich irgendwie einwenig satt. Satt von den unglaublichen Erlebnissen und Eindrücken, die mir dieses Land bisher geboten hat. Mein Kopf sagt mir, dass ich nicht mehr in der Lage sei noch weitere solcher Erlebnisse verarbeiten zu können. Zunehmend stelle ich fest, dass das Erreichen des Nordkaps nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Ich sehne mich vielmehr danach, Zeit in dieser grandiosen Natur zu verbringen. So oft wollte ich innehalten und mir die Freiheit nehmen, um spontan für einen längeren Zeitraum an einem besonderen Orten zu verweilen.

Doch seit dem Tag, an dem ich mich entschieden habe Norge på langs zu laufen, habe ich das Bild von mir in meinem Kopf, wie ich zu Fuß die letzten Meter zum Nordkap zurücklege. Es gibt daher keinen Grund zur Sorge, dass ich ins Stocken gerate. Ich werde die Szenerie, die sich in meinem Gedächtnis manifestiert hat, Mitte Oktober am nördlichsten Festlandspunkt Europas erleben.

 

02.09 | Tag 94

Spätestens mit dem heutigen Tag sind alle Zweifel verflogen und ich könnte bereits wieder behaupten, dass der heutige Tag der bisher beste Tourtag gewesen wäre, was jedoch in Anbetracht der bisherigen Erlebnisse etwas vermessen klingen würde. Nach den Tagen des Zweifelns war es die beste Entscheidung das Wandertempo etwas zu reduzieren und nur die 12 Kilometer von der Sulitjelma Fjellstua bis zur Sorjushytta zu wandern, um die Landschaft und das wunderbare Wetter genießen zu können.

Die Natur zu erleben und so intensiv wie nur irgend möglich zu leben waren u.a. Beweggründe für diese Wanderung. An diesem Tag sollte ich mich wieder an diese Beweggründe erinnern: Ich wanderte ca. 700 m steil bergauf als ich den Kamm erreichte, erblickte ich einen türkisblauen, teilweise gefrorenen See. Als ich den Hang zum See hinunter ging, sah ich in der Nähe des Ufers eine Eisscholle. In diesem Moment konnte ich nicht anders als mich auszuziehen, um zur Eisscholle zu schwimmen und von dieser herunter zu springen. Auf dieser Eisscholle zu stehen, umgeben von Schnee und gewaltigen Bergen, und mit dem Wissen, dass sich kein Mensch weit und breit befand, ließen mich erneut das Gefühl des intensiven Lebens spüren. In diesem Moment vergaß ich das 2°C kalte Wasser und die auf mich gerichtete Kamera. Ich schrie in die Natur, fühlte mich unendlich frei und fing an zu tanzen. Sicherlich einer der ganz besonderen Momente auf meinem Weg zum Nordkap.

Dieser Tag war jedoch noch nicht beendet und hielt noch ein weiteres Highlight für mich bereit. Als ich mitten in der Nacht die wunderschön gelegene Sorjushütte verließ um die Toilette aufzusuchen, zeigte sich mir dieses Bild …

Noch nie zuvor hatte ich etwas so schönes am Himmel gesehen. Ein Spiel, eine Symphonie der Lichter. Geschmeidig und elegant bewegten sich die Polarlichter am  sternenklaren Himmel und zogen mich in ihren Bann. Nachdem ich hastig einige Bilder aufgenommen hatte, genoss ich das Spektakel eine weitere Stunde. Gegen 2.00 Uhr nachts lag ich wieder in meinem Bett und schlief glücklich und zufrieden ein.

 

05.09 | Tag 96

After a while, the wind, the river and the birds begin talking to you. After a while, you begin to understand what they are saying. There is nothing strange about that.

(Informationsschild des Nordkalotten Wanderweges im Padjelanta Nationalpark – Lappland)

 

Comments ( 0 )

    Leave A Comment

    Your email address will not be published. Required fields are marked *

    Get in touch with us

    Yay! Message sent.

    Error! Please validate your fields.